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Bericht von der Delegiertenversammlung der fg am 21. November 2009 im Haus Birkach
“Bewertungen - was ist Kirche Schule wert?”
Unter dem Thema „Bewertungen – was ist Kirch Schule wert?“ hat sich die Delegiertenversammlung der fg am Samstag, 21. November 2009, mit dem „Bildungspapier“ der badischen und württembergischen Kirche auseinandergesetzt. Zunächst führte der Direktor des rpi Baden, Dr. Hartmut Rupp, in das Positionspapier „FREIHEIT, GERECHTIGKEIT UND VERANTWORTUNG Perspektiven der Evangelischen Landeskirchen für die aktuelle Bildungs- und Schulpolitik in Baden Württemberg“ ein.
Rupp berichtete zunächst von einer großen Akzeptanz des Papiers, aber auch über Kritik. Unter anderem werde den Kirchen vorgeworfen, sie wollen das Gymnasium abschaffen.
Das Papier habe auch Grenzen, u. a. würde es Themen wie Gewalt, Jungen, Burn out, oder die Unterrichtsqualität auslassen.
Kernpunkte des Positionspapiers seien, die Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen, Bildungspartnerschaften; das individuelle Lernen und die Differenzierung, formales und nonformales. Lernen, usw.
Für Dr. Hartmut Rupp liegt der Schwerpunkt des Papiers auf der Forderung nach Bildungsgerechtigkeit. Bildungsgerechtigkeit sieht er in einer formalen Chancengleichheit, in der Gleichheit der Chancen durch Bildung und in der Stärkung des Selbstvertrauens, denn Menschen sind von Anerkennung abhängig (39 % der Schülerinnen und Schüler sind anerkennungsverletzt!).
Die Forderung des längeren gemeinsamen Lernens - möglichst bis zur 10. Klasse, sei ein Gedanke, ohne den hätten die Gymnasien gemeint, das Papier gehe sie nichts an. Er sei aber das
entscheidende Instrument, um mehr höhere Bildungsabschlüsse zu erzielen.
Ein weiterer Punkt des Positionspapiers sei, dass Schulen als Ganztagsschulen mit individuellen Lehrplänen arbeiten müssten, damit Schülerinnen und Schüler je ein individuelles Lernprofil bzw. -abschluss erhalten könnten.
Rupp formulierte zusammenfassend einige zentrale Punkte:
- Intelligenz kann durch gutes Wissen geschlagen werden …
- Wer von Dreigliedrigkeit spricht, muss auch für Durchlässigkeit sorgen
- längeres gemeinsames Lernen befürwortet Heterogenität
- ein Lernziel für unterschiedliche Lerntypen führt für den einen zur Über- oder Unterforderung …
- volle Teilhabe an Bildung für behinderte Kinder wird eingefordert werden
- Unterricht soll sich am Einzelnen orientieren: Beispiele Montessori, kooperatives Lernen, Jenaer-Wochenplan, jahrgangsübergreifende Klassen
- Wichtig ist die Arbeit mit Zielfeldern
Das Referat von Dr. Hartmut Rupp wird im nächsten Rundbrief der fg veröffenlticht.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Gesprächskreisen der Landessynode, Herr Kalmbach, als Vertreter des Oberkirchenrates und Frau Spohn, als Vertreterin der kirchlichen Schulen teil.
Frau Fuhr, als Vertreterin des Gesprächskreises „Evangelium und Kirche“ betonte den mehrdimensionalen Bildungsbegriff, der dem Bildungspapier zugrunde liegt, durch den der RU in einen Bildungskanon eingebettet wird. Darüber hinaus war Frau Fuhr wichtig, dass der RU nicht in einem Fächerkanon aufgehen dürfe.
Herr Stöffler vom synodalen Gesprächskreis „Kirche für Morgen“ stand noch unter dem Eindruck einer Finnlandreise und berichtete, dass dort allen Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Religionszugehörigkeit die jeweilige Form von Religion ermöglicht wird. Stöffler ist es wichtig, dass Kirche und Schule sich als Partner verstehen und die Kirche vermehrt ihre Stärken einbringt.
Für Herrn Stepanek vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ ist den letzten Monaten eine deutlich stärkere Wertschätzung des Religionsunterrichtes in Gesellschaft und Schule zu erkennen. Für Herrn Stepanek braucht die Schule, als Abbild der Gesellschaft einen qualifizierten RU.
Frau Sohn, als Vertreterin der kirchlichen Schulen und Schulleiterin des Evang. Mörike Gymnasiums in Stuttgart berichtete aus der Praxis an ihrer Schule. Dort sei der RU für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend, in diesem Unterricht würden entscheidende religiöse und ethisch-moralische Diskussionen ablaufen.
Herr Kalmbach, Vertreter des Oberkirchenrates, wies darauf hin, dass der RU immer noch hoch geschätzt würde, jedoch eine neue Generation Schulleiter diese Wertschätzung nicht mehr so teilen würde. Auch verwies er darauf, dass der RU immer mehr an die Ränder wandert. Er wünscht sich von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort mehr Aktivität.
Von den Delegierten der fg wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass Religionslehrkräfte vielfältige Aufgaben übernehmen und vor allem kirchliche Lehrkräfte dies häufig ehrenamtlich tun. Es gäbe immer noch keine Poolstunden, die bei solchen Zusatzaufgaben eingesetzt werden könnten. Ebenso wurde auf die schwierigen Rahmenbedingungen für den RU verwiesen, auf die große Klassengröße etc., durch die der Anspruch auf individuelles Lernen, das im Bildungspapier gefordert wird, nicht erfüllt werden kann.
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